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Die Garderoben im Wandel der Zeiten

1910 Umkleidezelte 300pxDie ersten Umkleidezelte am Strand des   Seebades Wannsee um 1910Zu Beginn der offiziellen Badestelle im Jahr 1907 waren noch keine Garderoben vorhanden. In der Zeit des Pächters Bernhard Frankenthal (1909-1924) entstanden durch den stetigen Ausbau des Bades die ersten Garderobenzelte am Wannseestrand. Hier konnten sich die Badegäste umkleiden und die Garderobe wurde aufbewahrt. Betrieben wurde das erste Garderobenzelt von Wilhelm Stehlin, einem Mitglied der "Fidelen Sonnenbrüder". Durch den großen Andrang im Freibad Wannsee entstanden schnell insgesamt 3 Garderobenzelte, um die Abfertigung aller Badegäste sicherstellen zu können. Feste Bauten entstanden in der Zeit des Pächters Frankenthal zunächst noch nicht, da das Gelände dem Landkreis Teltow und ab der Bildung Groß-Berlins im Jahr 1920 der Stadt Berlin gehörte. Frankenthal befürchtete, dass das Gelände wie auch die Insel Schwanenwerder im Norden und das Sandwerder im Süden ebenfalls mit Villen bebaut werden könnte. Diese Befürchtung wurde auch untermauert durch die zahlreichen Beschwerden der wohlhabenden Bewohner der Villen auf der Insel Schwanenwerder, die sich in ihrer Ruhe durch die überwiegend der proletarischen Arbeiterschaft zuzurechnenden Badegäste gestört fühlten. Diese flüchteten insbesondere an den Wochenenden aus ihren engen, dunklen und stickigen Wohnungen in den Berliner Mietskasernen und verursachten natürlich viel Verkehr, Lärm und natürlich auch Unrat.

1924 1925 Holzbau 300.1Reetgedeckte Holzbauten  von Ludwig Hoffmann        (1924-1927)

Die Garderobenzelte waren nach Geschlechtern getrennt. Nach dem Umkleiden wurde die Bekleidung der Garderobiere übergeben und der Gast erhielt eine Garderobenmarke mit Nummer und Angabe des Zeltes, in dem die Garderobe abgegeben wurde. Da am Wannseestrand auch jede Menge Taschendiebe auf eine Gelegenheit lauerten, nutzte nahezu jeder Badegast die Möglichkeit der Garderobenaufbewahrung. Des Weiteren schickte es sich zu dieser Zeit nicht, sich direkt am Strand umzukleiden und dabei den Blicken der anderen Badegäste ausgesetzt zu sein.

Diese ersten Garderobenzelte wichen im Jahr 1924 den ersten festen Bauten von Ludwig Hoffmann, die als Holzbauten mit Reetdächern ausgeführt wurden. Diese Holzbauten überdauerten jedoch nur bis 1927, als sie einem Großfeuer zum Opfer fielen. 

Ansicht der UmkleidehallenAnsicht der Umkleidehallen 1930Mit der Eröffnung der Neubauten nach Plänen von Martin Wagner und Richard Ermisch im Jahr 1930 standen nun drei Garderobenhallen auf dem oberen Wandelgang zur Verfügung. Ein zur damaligen Zeit Eingang Garderobenhalle C 1930sehr fortschrittliches Konzept unterteilte die Hallen in Dauerkabinen, Tageskabinen, Gruppenkabinen und Wechselkabinen. Dauerkabinen standen in den Hallen A und D zur Verfügung und konnten jeweils für eine Saison angemietet werden, sodass Stammkunden Liegen, Sonnenschirme und die Badesachen nicht mehr bei jedem Besuch des Strandbades von zu Hause mitbringen mussten. Der Zugang erfolgte direkt vom oberen Wandelgang in die Kabine. Tageskabinen konnten für einen Tag angemietet werden, was den Vorteil hatte, dass der Gast jederzeit an seine Garderobe konnte, um einzelne Gegenstände zu holen oder zu deponieren. In den Gruppenkabinen zogen sich Gruppen oder Familien um und gaben Ihre Kleidung anschließend bei der Garderobe gegen Aushändigung einer Garderobenmarke ab.

Umkleide WechselkabinenAnsicht Wechselkabinen 1930

Eine Besonderheit waren die Wechselkabinen: Hier zog man sich um und betätigte dann in der oberen rechten Ecke der Kabine einen gewinkelten Hebel. Nun sah die Garderobiere im Aufbewahrungsraum, dass ein Badegast den Wunsch hatte, seine Kleidung abzugeben oder abzuholen und öffnete eine etwa 60 x 30 cm kleine Tür in der Rückwand der Wechselkabine und nahm die Kleidung entgegen. Dem Badegast wurde eine Garderobenmarke ausgehändigt und die Kabine stand für den nächsten Badegast sofort wieder zur Verfügung. An heißen Sommertagen verrichteten bis zu drei Garderobieren hier ihren Dienst. 

Im Eröffnungsjahr der neuen Bauten 1930 strömten rund 1 Million Badegäste in das "neue" Strandbad Wannsee. Man kann sich leicht vorstellen, dass der Andrang ohne diese Neuartigen Wechselkabinen nicht beherrschbar gewesen wäre. Insbesondere wenn man bedenkt, dass es bis in die Nachkriegszeit nicht üblich war, sich vor den Augen anderer Badegäste umzuziehen. Ein weiterer Vorteil der Wechselkabinen war, dass eine Geschlechtertrennung nur noch bei den Gruppenkabinen nötig war.

Dauerkabinen oberer WandelgangDauerkabinen oberer Wandelgang Halle D

Ein weiterer großer Vorteil der Wechselkabinen war die Tatsache, dass zum Feierabend schnell überprüft werden konnte, ob sämtliche Garderobenteile auch wieder abgeholt wurden und alle Badegäste unversehrt das Bad verlassen haben. Blieb eine Garderobe übrig, begannen zunächst Suchmaßnahmen auf dem Gelände des Bades. Verlief die Suche erfolglos, wurden die Inhaber des Lido-Restaurants, des Bootsverleih und die Mitglieder des Vereins "Sonne 08" am Nordende des Bades befragt. Wurde der fehlende Gast auch hier nicht aufgefunden, begann eine großangelegte Such- und Rettungsaktion auf der Wasserfläche unter Beteiligung der Berliner Feuerwehr, der Polizei sowie der Wasserrettungsorganisationen. Glücklicherweise kam dies nur äußerst selten vor. 

Im Laufe der Zeit wurden die Garderobenhallen nicht mehr in dem Maße genutzt und zwei der drei Garderobenhallen wurden geschlossen. Lediglich die direkt von oberen Wandelgang zugänglichen Saisonkabinen in den Hallen A und D sowie die Garderobenhalle C standen den Badegästen weiterhin zur Verfügung.

Mit der Sanierung des Strandbades 2004-2007 anlässlich des 100-jährigen Bestehen des Strandbades wurde das bis dahin bestehende Konzept aufgegeben und eine moderne Garderobenhalle mit Schließfachsystem in der Halle B (oberer Wandelgang) eröffnet. Auch von den Saisonkabinen verabschiedete man sich nun, sehr zum Leidwesen der Stammgäste, die nun täglich Liegen, Schirme und Badekleidung von zu Hause mitbringen müssen.

 IMG 20210404 105737 300 highSammlung Garderobenmarken seit 1911IMG 20210404 105828 300 highGarderobenmarke Zelt 3 (1909-1924)IMG 20210404 105836 300pxGarderobe B (Holzbauten 1924-1927)

IMG 20210404 105852 300 highGarderobenmarke (nicht datierbar)IMG 20210404 105803 300 highGarderobenmarke (1930-ca. 1960)IMG 20210404 105800 300pxGarderobenmarke (ca. 1960-2004)

 

Die hier abgebildeten Garderobenmarken wurden uns freundlicherweise von Herrn Hinnerk Ekken überlassen. Sie wurden bei der Entrümpelung eines Kellers nach dem Tod eines ehemaligen Mitarbeiters aufgefunden und unserem Archiv zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns sehr für diese freundliche Geste!

 

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Adresse

 Thomas Röske
 Wannseebadweg 25
    14129 Berlin
info@strandbad-wannsee-berlin.de
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Über uns

Freunde des Strandbad Wannsee ist ein privates, redaktionelles Projekt zur Information über das größte Binnenseebad Europas. Dargestellt werden aktuelle Informationen und die Inhalte der Archive Röske/Stehlin. 

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